Eine Passion, die verbindet – Die Entstehung vom Waldbüro

Noch sind die Blätter der Bäume sattgrün, aber schon bald kommen wir in den Genuss der schönen Herbstfarben im Wald. Wieso verfärben sich die Blätter eigentlich im Herbst? Dafür sind die unterschiedlichen Farbstoffe, die Pigmente verantwortlich. Für die grüne Farbe das Pigment Chlorophyll. Dieses verschwindet im Herbst als erstes, wodurch die roten und gelben Pigmente zum Vorschein kommen.

Solche Fakten über unsere Wälder sind vermutlich einer Mehrheit der Bevölkerung nicht geläufig. Bis vor einigen Jahren, muss ich ehrlicherweise zugeben, war auch mein Wissensstand diesbezüglich sehr bescheiden. Ich konnte noch knapp einen Nadelbaum von einem Nadelbaum unterscheiden. Damit hörte bereits mein Biologiewissen auf.

Mittlerweile bin ich Wald-Achtsamkeitstrainer, leite Touren und vermittle unter anderem auch Waldwissen. Was ist geschehen? Im Herbst vor vier Jahren adoptierten wir einen kleinen weissen Hund namens Blanca. Seit dieser Zeit bin ich täglich draussen und spaziere über Felder und durch Wälder.  Während eines langen Spazierganges an einem nebligen Sonntag ist meine Vision (Re-)Connect People to Nature entstanden. Zu dieser Zeit war ich als Marketing Director eines internationalen Tech Startups tätig. Dabei starrte ich neben vielen Meetings und regelmässigen Business Trips täglich während Stunden in einen Bildschirm. Obwohl der Job, das Team und die Firma toll waren, spürte ich eine wachsende Unzufriedenheit. Ich spürte, mir fehlte etwas und ein Drang nach Veränderung entstand.

Noch immer meine Vision im Hinterkopf, bin ich zufälligerweise auf einen Artikel über Forest Therapy gestossen und habe zum ersten Mal den Begriff Shinrin-Yoku gelesen, auf deutsch Waldbaden. “WOW! That’s it!”, dachte ich mir. Ich habe alles über Waldbaden nachgelesen, Bücher gekauft und mich für den Lehrgang „Zertifikat Wald und Gesundheit: Resilienz- und Achtsamkeitstraining“ angemeldet.  Das erste Mal in meinem Leben freute ich mich auf Unterricht.

Eine Passion, die verbindet

Die Weiterbildung hat von der ersten Online Vorlesung bis zu den Schulungstagen an der Hochschule für Forstwirtschaft enorm viel Spass gemacht. Dort verbrachten wir mit den Professoren viel Zeit im Wald.  Es war z. B. sehr spannend zu lernen, was mit dem Körper geschieht, wenn wir bewusst im Wald unterwegs sind und sich dabei nachweislich das Wohlbefinden und unsere Stimmung verbessert.  

In dieser Zeit habe ich auch meinen Schweizer Mitstudenten Peter Fibich kennengelernt. Schnell stellte sich heraus, dass uns eine gemeinsame Liebe zum Wald und zur Natur verbindet. Wir haben uns danach einige Male in der Schweiz getroffen und entschieden, zusammen das Waldbüro zu gründen. Mit dem Waldbüro wollen wir dem Wald eine Stimme geben. Eine Stimme mit Blick auf das Ganze. Wir wirken als Waldbotschafter und Vermittler sowie als Berater und Realisatoren in verschiedensten Waldprojekten. Eine zentrale Funktion vom Waldbüro ist, dass wir mit unseren Wald-Achtsamkeitstouren Menschen eine neue Erfahrung in diesem Naturraum bieten. Nach einer kurzen Einführung tauchen wir mit den Teilnehmern in den Wald ein, fernab von Waldwegen. Durch gezielte sensorische Übungen aktivieren wir ihre unterschiedlichen Sinne, lassen sie den Alltag vergessen und erleben den Wald im Hier und Jetzt.  Die Rückmeldungen der Teilnehmer sind häufig: „Wow, so habe ich den Wald noch nie erlebt, oder ähnlich.“  

Das Wald-Büro

Schön zu sehen, dass Menschen die Kraft der Natur im Wald spüren. Durch diese Naturerlebnisse erhoffen wir uns, dass sie erstens diese verloren gegangene Verbindung zur Natur wiederfinden und zweitens den Wald wieder schätzen lernen. Wir vom Waldbüro glauben an den Grundsatz: „Nur was du schätzt, das wirst du auch schützen“.

“Das Leben ist Jetzt.”

Inspiriert durch die eindrücklichen Momente im Wald, besuche ich mittlerweile regelmässig Mindfulness Kurse und Weiterbildungen. Zudem versuche ich bewusster durch den Alltag zu gehen. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Denn auch Achtsamkeit will gelernt und trainiert werden. Die Erkenntnis, dass ich die meiste Zeit entweder in der Vergangenheit wühle oder fantasiere, was in Zukunft passieren soll und dabei den jetzigen Moment verpasse, war zuerst ernüchternd. Mittlerweile übe ich in alltäglichen Situationen: Beim Zähneputzen bewusst jeden Zahn reinigen, in Gesprächen mit meiner Frau oder meinem Sohn ihnen meine volle Aufmerksamkeit schenken oder beim Wassergiessen die Pflanzen genau betrachten. Dabei erlebe ich regelmässig intensive Momente im Hier und Jetzt. Dieses Wissen und die persönliche Erfahrung mit Menschen im Wald zu teilen – damit auch sie diese wunderschöne Welt in vollen Zügen erleben und geniessen – ist für mich unglaublich wertvoll. Es motiviert mich meine Vision (Re-)Connect People to Nature mit dem Waldbüro weiter umzusetzen.

Gerne möchte ich den Artikel mit einem Zitat von Eckart Tolle abschliessen:„Das Leben ist Jetzt.“

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