Und plötzlich wurde es still. Ein Rückblick – Familienleben im Lock-Down.

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als der Lock-Down eintrat. Von jetzt auf gleich änderte sich unser Alltag massiv. Eben noch machten wir uns alle morgens bereit für den neuen Tag - die Kinder für die Schule oder Betreuung. Schlagartig war die Kinderbetreuung weg, die Schule musste unerwartet von daheim aus organisiert werden und der Papa richtete sein Büro im Schlafzimmer ein. Der Coronavirus fungierte als Stopp-Schild, der uns aus unseren gewohnten Alltagsmustern riss.

Zu Beginn waren wir als Familie ganz schön gefordert

Mit ihm kam eine Welle von Herausforderungen, mit denen wir erst einmal lernen mussten umzugehen. Zunächst galt es, eine Struktur in den Alltag zu bringen, die der ganzen Familie gerecht wird. Gar nicht so einfach, denn schliesslich hatten wir alle da noch unsere Bedürfnisse & Verpflichtungen, die gesehen werden wollten. Und letztendlich war es ebenso die Struktur, die uns im Moment der „turbulenten“ Welt ein Stück Sicherheit schenkte.

Wir wurden dazu aufgefordert, uns mit dem Zusammenleben in der Familie zu beschäftigen - und das auf kleinstem Raum. Denn es war nun nicht mehr möglich, sich schnell auszuklinken und sich mit einem Freund zu treffen, wenn das harmonische Zusammenleben zu kippen drohte. Es erforderte eine gewisse Bereitschaft, sich den Themen zuzuwenden und diese aktiv anzugehen. Denn sonst klappte es mit dem gemeinsam leben gleich gar nicht mehr. Hinzu kamen Ängste wie Jobverlust oder finanzielle Einbussen, die hoch schwappten. Die auf einmal dominant waren und uns einzunehmen drohten. Und schließlich war da noch die grosse Welle der Unsicherheit, die uns umspülte und uns in ihrem Strudel hin und her wirbelte, bis wir gar nicht mehr wussten, wo oben und unten war. Auf einmal konnte uns keiner mehr sagen, was morgen, in drei Wochen oder in einem halben Jahr geschieht.

Das waren wirklich einige Themen, die wir zu bewältigen hatten. Die unser Familienleben auf den Kopf stellten. Und schlagartig konnten wir uns nicht mehr im eigenen „Busy-Dasein“ ablenken. Es brauchte nicht viel und wir reagierten bereits bei Kleinigkeiten gereizt, obwohl wir gar nicht so richtig wussten, warum. Mit der Folge, dass unsere Kinder auf diesen Zug aufsprangen und ebenfalls aus jeder Mücke einen Elefanten machten.

Und dann wurde es still

Mit der Zeit wurde es dann aber still um uns. Manchmal fühlte ich mich wie in einer Seifenblase, abgeschottet von der Aussenwelt, vertieft in der Gleichmässigkeit des „neuen“ Alltags. Und es kehrte eine gewisse Vertrautheit ein. Mit einem Mal fühlte sich die Situation gar nicht mehr so befremdlich an, mit der Familie in den eigenen vier Wänden auf engem Raum zu leben.

Rückblickend denke ich viel an diesen Bewusstseinswandel zurück - der Moment, der unsere Perspektive von „befremdlich“ hin zu „vertraut“ bewegte. Es entstand ein Raum, in dem wir zulassen durften. Und der uns einlud, uns und unsere gegenwärtige Situation zu hinterfragen. Wie wir uns fühlen. Ob wir glücklich sind? Ob wir erfüllt sind. Spüren wir das tiefe Glück von innen, das leise und subtil ist. Das Glück der kleinen Momente. Nicht das herrschende Glück, dass an uns vorbei rauscht, wenn wir ein Auto kaufen. Da war auf einmal die Möglichkeit zu hinterfragen, wo wir gerade stehen - als Eltern, als Partner und als viel beschäftigte Person. Zum Beispiel beschäftigten mich auf einmal Themen, die ich vorher gar nicht gesehen habe. Themen, an denen ich geklammert habe aus irgendeiner komischen Verpflichtung oder einem Schuldgefühl heraus. Befreiend war es dann, sich davon ein Stück zu lösen.

Die grosse Chance mitzubestimmen

Rückblickend sehe ich diese Zeit als sehr wertvoll an. Eine Art Reset und Neuausrichtung. Ich erhielt Antworten auf die Fragen, wer ich in meiner Rolle als Mutter, Ehefrau und Berufstätige bin und sein möchte, obwohl ich nach den Antworten gar nicht aktiv gesucht habe. Und ich sehe klarer, was in meinem Alltag bleiben darf und was ich loslassen kann.

Nun bin ich aber auch langsam wieder froh, in Richtung„Normalzustand“ zu schreiten. Dass wir uns wieder mit unseren Freunden treffen und uns aktiver am Aussenleben beteiligen. Dass unsere Kinder wieder mit ihren Freunden spielen und sich ausleben. Und dass wir die Möglichkeit bekommen unsere neu gewählten Prioritäten in den Alltag zu integrieren. Denn hier sehe ich die grosse Chance: wir dürfen den „neuen“ Normalzustand ein Stück weit selbst definieren - als Individuum und als Gesellschaft. Um ein bisschen mehr im Einklang mit uns und unserer Aussenwelt zu leben.

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